Sterbehilfe für Minderjährige

Sterbehilfe (Euthanasie) ist definiert als Akt, der vorsätzlich das Leben einer Person, auf dessen Wunsch hin, beendet. Nach langen Debatten im Parlament, können seit dem 22.03.2014 Minderjährige unter gewissen Bedingungen auch darauf zurückgreifen.

Was ist Sterbehilfe?
Das Gesetz definiert Sterbehilfe folgendermaßen: Die von einer Drittperson ausgeführte Handlung, durch die dem Leben einer Person auf deren Bitte hin vorsätzlich ein Ende gesetzt wird. Das Gesetz unterscheidet hierbei nicht, wie z.B. in der Schweiz, zwischen der Sterbehilfe, bei der der Arzt dem Patienten auf dessen Bitte hin ein tödlich wirkendes Medikament verabreicht, und der "Beihilfe zum Selbstmord", bei der der Patient selbst das tödliche Medikament einnimmt. In beiden Fällen müssen die gleichen Bedingungen erfüllt sein.

Welche Minderjährigen?
Der Minderjährige, der auf die Sterbehilfe zurückgreifen möchte, muss sich in einer medizinisch aussichtslosen Lage befinden, die in absehbarer Zeit zum Tod führen wird. Zudem muss es den Befund dauernder und unerträglicher Schmerzen geben, die nicht gelindert werden können und die Folge eines schlimmen und unheilbaren unfall- oder krankheitsbedingten Leidens sind. Anders als bei Volljährigen, sind psychische Leiden bei Minderjährigen kein zulässiger Grund.
Der Minderjährige muss die Bitte um Sterbehilfe freiwillig, überlegt und wiederholt formulieren und diese darf nicht durch Druck von Außen zustande gekommen sein. Zum Zeitpunkt der Anfrage muss er/sie unbedingt bei Bewusstsein sein und das volle Urteilsvermögen besitzen. Das bedeutet, man muss die Fähigkeit haben, sich über die eigene Existenz und über das, was einen umgibt, bewusst zu sein und man muss sich im Klaren darüber sein, was man entscheidet und welche Konsequenzen dies mit sich bringt. Kein Gesetz legt ein Mindestalter für das Urteilsvermögen fest. Dies ist von der Person selbst, aber auch von ihrem Umfeld (Gesundheit, Familie, Verantwortlichkeiten,...) abhängig.

Welche Bedingungen?
Ein Mediziner darf die Sterbehilfe nur dann durchführen, wenn er sich versichert hat, dass eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt sind. Er muss:
  • sich mit dem/der Minderjährigen treffen, ihn/sie über seinen/ihren Gesundheitszustand und die Lebenserwartung informieren und ihm/ihr die weiteren möglichen Behandlungsschritte aufzeigen
  • mehrere Gespräche mit dem/der Minderjährigen führen, um sicher zu stellen, dass sein Leiden anhaltend ist und er/sie seinen/ihren Wunsch wiederholt
  • sicher stellen, dass der/die Minderjährige die Gelegenheit hatte über seinen/ihren Wunsch mit all den Menschen zu sprechen, mit denen er/sie dies wollte
  • sich mit den Angehörigen und dem Pflegepersonal unterhalten, die in regelmäßigen Kontakt mit dem/der Minderjährigen sind
  • einen zweiten Mediziner konsultieren
  • einen Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychologen konsultieren, der den Minderjährigen untersuchen soll, um festzustellen, ob er/sie das volle Urteilsvermögen besitzt
  • sich mit den Eltern unterhalten und eine schriftliche Einverständniserklärung von ihnen einholen

Zusammengefasst kann man sagen, dass ein Arzt bei einem/einer Minderjährigen niemals Sterbehilfe durchführen darf, ohne das Einverständnis der Eltern und ohne dass ein Spezialist bestätigt hat, dass der Jugendliche fähig ist, diese Entscheidung zu fällen.

Vorgezogene Willenserklärung in Bezug auf Sterbehilfe
Volljährige (und für volljährig erklärte Minderjährige) können eine vorzeitige Erklärung mit dem Wunsch auf Sterbehilfe verfassen, bevor sie in die Situation gelangen. So können sie sich absichern, sollten sie mal nicht mehr fähig sein, die Entscheidung treffen zu können. Die Unfähigkeit bezieht sich hierbei nicht auf den körperlichen Zustand, sondern auf das Bewusstsein bzw. das Urteilsvermögen. Minderjährige können dies nicht vorher regeln!

Weitere Infos
SPF Santé Publique
La commission fédérale de contrôle et d'évaluation de l'euthanasie
Place Victor Horta, 40, bte 10
1060 Bruxelles
Tel. 02/524 97 97


Quellen:
Billet Infor Jeunes vom 18.04.2014
Broschüre "Euthanasie - was ist erlaubt?" vom Ministerium der DG

Akt.04/2015

 

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